Mit Beginn der Entwurfsphase im Frühjahr 2020 nimmt das Projekt der zeitgenössischen Glasfenster für die Dorfkirche St. Georg in Mösthinsdorf nun eine neue, konzentrierte Arbeitsphase auf. Eine wichtige Wegmarke bildete dabei die erste gemeinsame Workshopsituation, in der die verschiedenen Entwurfsansätze vorgestellt, diskutiert und im Hinblick auf ihre Wirkung im historischen Kirchenraum geprüft wurden. An diesem Austausch waren Vertreterinnen und Vertreter der Kirchengemeinde, der Projektbeteiligten sowie des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt in Halle beteiligt – ermöglicht und umgesetzt wurde die praktische Arbeit und die Umsetzung der Probescheiben innerhalb eines Werkstipendiums in den Werkstätten der Glasmalerei Peters in Paderborn. Außerdem bot sich die Möglichkeit, die künstlerischen Konzepte unmittelbar im Kontext der denkmalgeschützten Architektur zu reflektieren und Fragen der historischen Einbindung, der Lichtwirkung sowie der gestalterischen Zurückhaltung und Prägnanz gemeinsam zu diskutieren.
Die konzeptionellen Überlegungen der vergangenen Jahre werden nun weiter verdichtet, Formen und Farbklänge präzisiert, Proportionen und Lichtwirkungen genauer untersucht. Ziel ist es, eine Gestaltung zu entwickeln, die sich sensibel in die historische Architektur einfügt und zugleich eine eigenständige zeitgenössische künstlerische Sprache formuliert.
Die Einladung, für die Dorfkirche St. Georg in Mösthinsdorf zeitgenössische Glasfenster zu entwickeln, verstehe ich als besondere Verantwortung und zugleich als großes Privileg. Kirchenräume sind über Jahrhunderte gewachsene Orte – architektonisch, spirituell und sozial. Jede neue künstlerische Arbeit tritt in einen Dialog mit dieser Geschichte.
St. Georg vereint mehrere Zeitschichten: den romanischen Ursprung aus Feld- und Bruchstein, die barocke Prägung des Innenraums und die baulichen Ergänzungen des 19. Jahrhunderts. Die jüngste Restaurierung hat diese historische Substanz behutsam gesichert und zugleich die Zukunft des Gebäudes eröffnet. In diesem Kontext entstehen die neuen Glasfenster als zeitgenössischer Beitrag innerhalb eines über viele Generationen gewachsenen Ganzen.
Im Zentrum meiner Arbeit steht das Licht als wesentliches Gestaltungselement. Glas verändert einen Raum nicht durch Abbildung allein, sondern durch seine Wirkung im Tagesverlauf: Farbe, Transparenz und Struktur modulieren das einfallende Licht und prägen damit die Atmosphäre des Kirchenraums. Die Fenster sind daher nicht als isolierte Bilder gedacht, sondern als integraler Bestandteil der Architektur.
Für St. Georg in Mösthinsdorf bedeutet dies, die besondere Situation des Ortes aufzunehmen. Die Kirche steht in einer offenen, landschaftlich geprägten Umgebung im Saalekreis und ist zugleich Mittelpunkt eines lebendigen Gemeindelebens. Neben den Gottesdiensten finden hier regelmäßig kulturelle Veranstaltungen und Konzerte statt – eine Nutzung, die dem Raum eine bemerkenswerte Offenheit verleiht. Diese Verbindung von Tradition und Gegenwart bildet einen wichtigen Bezugspunkt für die künstlerische Konzeption.
Die Gestaltung der Glasfenster entwickelt sich aus reduzierten Formen, differenzierten Farbklängen und der bewussten Arbeit mit Transparenz. Ziel ist eine Bildsprache, die zeitgenössisch ist, ohne sich vom historischen Kontext zu lösen. Die Fenster sollen den Raum atmosphärisch verdichten, ohne ihn zu dominieren – sie sollen Licht in Bewegung bringen und so unterschiedliche Wahrnehmungen ermöglichen.
Nora Mona Bach versteht diese Arbeit als Teil eines langfristigen kulturellen Prozesses: Die Kirche St. Georg ist ein Ort, der über Jahrhunderte hinweg immer wieder neu interpretiert und genutzt wurde. Die neuen Glasfenster fügen diesem Kontinuum eine weitere Schicht hinzu – eine künstlerische Intervention unserer Zeit, die den Raum öffnet und seine Wirkung für kommende Generationen weiterträgt.